22. Oktober 2014

TIERE

KOLUMNE von Dr. Peter Kollmann

Angeborene organisch bedingte Verhaltensstörungen


Dr. Peter Kollmann, Gaspoltshofen, Tel. 07735/6943

Nachdem ich mich in den „Landl”-Ausgaben vom Oktober und November mit Verhaltensauffälligkeiten beim Hund befasst habe, lassen Sie mich noch ein drittes und letztes Mal auf gestörtes Hundeverhalten eingehen. Dieses Mal auf angeborene organpathologisch bedingte Verhaltensstörungen. Diese werden durch Missbildungen, aber auch durch Fehlbildungen des Zentralnervensystems und anderer Organe verursacht. Hierzu einige Beispiele.

 

Es kann durch schwere Missbildungen im Kopfbereich auch zu Hirnmissbildungen kommen, die allerdings vom Züchter kurz nach der Geburt erkannt werden. Diese Welpen tötet der Tierarzt sofort. Es wäre aber für die weitere Erforschung wichtig, derartige Welpen einer Untersuchung zuzuführen. Die schnelle Tötung der Welpen geschieht vielfach aus Interesselosigkeit oder aus falsch verstandenem Züchterstolz.

 

Man findet aber auch eine zu geringe Ausbildung einzelner Teile des Gehirns, also eine Hypoplasie oder sogar eine Unterentwicklung (Atrophie), die äußerlich nicht erkennbar ist. Die Erscheinungen sind unterschiedlich, oft beobachtet man einen schwankenden, torkelnden Gang, häufiges Hinstürzen, unkoordinierte Bewegungen und ein stark gestörtes Lernverhalten.

 

Eine relativ häufig angeborene Missbildung, die im frühen Welpenalter den Züchtern oft nicht auffällt, ist der Wasserkopf. Das ist eine vermehrte Ansammlung von Gehirnflüssigkeit in den vorgebildeten Räumen, den vier Gehirnventrikeln. Die Flüssigkeitsansammlung ist unterschiedlich stark und kann solche Ausmaße annehmen, dass der Wasserkopf schon äußerlich durch die Vergrößerung des Hirnschädels auffällt. Der Druck der Flüssigkeit auf das Gehirn bewirkt Verhaltensstörungen wie Abstumpfung, Verblödung, Drangwandern, Im-Kreis-Laufen oder unkoordinierte Bewegungen.

Bei einzelnen Zwergrassen, zum Beispiel Zwergpinscher, Kleinspitz, Zwergpudel, Pekinese und Mops, bestehen durch die Zucht auf einen ausgeprägten Apfelkopf mehr oder weniger vergrößerte Hirnventrikel, also der Beginn des Wasserkopfes. Selten beobachtet man jedoch klinische Erscheinungen. Allerdings ist der Schritt von diesen geringen Fehlbildungen bis zum ausgeprägten Wasserkopf nicht groß.

 

Aber nicht nur Fehl- und Missbildungen des Gehirns können zu Verhaltensstörungen führen, sondern auch Fehlbildungen an anderen Organen, wie beispielsweise beim Kryptorchismus. Es ist bekannt, dass Kryptorchiden, dass heißt Rüden, bei denen nur ein Hoden oder kein Hoden sich im Hodensack befindet, mit zunehmendem Alter zur Bösartigkeit neigen, was mit der hormonellen Fehlsteuerung erklärt werden kann.